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Welchen Herausforderungen begegnen Regenbogenfamilien im Alltag?

Die Stolpersteine für Regenbogenfamilien beginnen schon bei der Familiengründung. Da die Lebenspartnerschaft der Ehe nicht gleichgestellt ist, werden lesbische Frauen und Paare bei Samenbanken in NRW nicht oder nur unter sehr widrigen Bedingungen behandelt. Im Durchschnitt benötigen lesbische Frauen und Paare zwei bis zweieinhalb Jahre zur Planung ihrer Familie. Erst anschließend beginnt die Umsetzungsphase und ein Kind kann ausgetragen oder in die Familie aufgenommen werden. Dabei gibt es sehr unterschiedliche Familienmodelle.

Stiefkindadoption – Störung in der Familienfindung

Mit Schwangerschaft oder Aufnahme des Kindes in die Familie entstehen neue Rollen für alle beteiligten Eltern. Für die Regenbogenfamilie – egal in welcher Form – gibt es keine historischen Vorbilder, denn selbstbewusste, sichtbar gleichgeschlechtliche Elternteile sind eine relativ junge Erscheinung.

Die Rollenklärung und die Familienfindungsphase wird in vielen Fällen durch den herausfordernden Vorgang der Stiefkindadoption gestört. Durch die Stiefkindadoption fühlen sich die meisten Familien im besten Fall lediglich verunsichert, im schlimmsten Fall in ihrer Familienwerdung bedroht. Eine Stiefkindadoption als Verwaltungsakt geht einher mit dem Offenlegen aller Daten sowie der Öffnung der Wohnung (der sichere Platz der Familie jenseits von Heteronormativität) – eine enorme Herausforderung für die junge Familie. Hier liegt eine der größten Diskriminierungen von Regenbogenfamilien: Eine Familie mit heterosexuellen Eltern, die durch Samenspende Eltern werden, muss diesen Prozess nicht durchlaufen.

Alltäglicher Erklärungsbedarf

Eine alltägliche Hürde für RBF liegt darin, dass sie häufig nicht als Familie wahrgenommen werden. Für viele Menschen kommen bspw. zwei Frauen und Kind(er) nicht als gedankliches Konzept von Familie vor. Ein Problem, das RBF Tag für Tag begleitet: Bei Diskussionen an der Schwimmbadkasse, ob die Familienkarte nun gewährt wird, bei Erklärungen, vom Restaurant angefangen (Zahlen Sie getrennt?) bis hin zur Familienberatung, in der die Fachberater_in in der Regel erst einmal aufgeklärt werden muss. Es geschieht durchaus, dass in Erklärungssituationen Grenzen überschritten werden, weil das Gegenüber wissen möchte, wie die Familie entstanden ist. Um diese Situation nachvollziehen zu können, hilft folgende Reflexionsfrage:
Wäre es für mich okay, wenn ich von Außenstehenden nach der Entstehungsgeschichte meiner eigenen Kinder gefragt werden würde?

(Vor-)Urteile und Erwartungsdruck

(Nach-)Fragen sind die eine Seite des Alltags von Regenbogenfamilien, die andere Seite stellen Urteile dar, die häufig als „Das geht doch gar nicht mit zwei Müttern!“ oder „Jedes Kind braucht Mutter und Vater“ scharf formuliert werden. Solche Aussage sind zwar empirisch und wissenschaftlich unhaltbar, treffen aber dennoch die Familien in ihrer Identität.
Regenbogenfamilien stehen unter einem hohen Erwartungs- und Erfolgsdruck, dass ihre Familie „gelingen“ muss. Die Sorge, dass mögliches nichtnormatives Verhalten von Eltern und Kindern auf die Homosexualität der Eltern zurückgeführt wird, ist so präsent wie wahrscheinlich.

Aus der Selbstverständlichkeit gerissen

Die Kinder, die mit zwei bis vier gleichgeschlechtlich liebenden Elternteilen aufwachsen, erleben ihre Familie zunächst als Selbstverständlichkeit. Sie empfinden ihre Familie erst durch Rückmeldungen und Reaktionen von außen als nicht-gewöhnliche Familie. Kinder aus Regenbogenfamilien vermissen in Bezug auf ihre Familien nichts. Sie erleben ihre Familie nicht als defizitär. Die vorliegenden Studien zeigen sehr deutlich, dass es den Kindern gut geht und sie sich sehr gut entwickeln. Bester Indikator dafür sind junge Erwachsene, die in Regenbogenfamilien aufgewachsen sind und sich sehr positiv, wenn auch nicht unkritisch, über ihre Familie mit gleichgeschlechtlichen Eltern äußern.

Ein Beitrag von SWR2 Tandem zum Hören: Sohn zweier Mütter – Malte und seine Regenbogenfamilie
Zum Lesen:

taz.de: Leben in der Regenbogenfamilie „Wir sind komplett,  so wie wir sind“